Beim Taiji und Qi Gong geht es um Wahrzunehmung; zu erkennen, auf welchem Weg wir uns befinden. Nicht vorrangig die Gesundheit zu fördern oder die Gelenkigkeit oder was auch immer für ein Ziel anzustreben, sondern darum, erstmal innezuhalten.

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Guten Morgen
Heute ist der
12.12.2017 - 11.21

Wie in anderen Lebensbereichen, meint man, auch im Freizeitsport Topleistungen erreichen zu müssen. Wir wollen besser, schneller, kräftiger und vor allem gesünder werden.

Wir wollen natürlich etwas erreichen im Leben, haben Ehrgeiz, aber wo können wir heute einfach nur sein? Wo ist der Raum geblieben, wo wir nichts müssen? Vor dem Fernseher landen wir, aber dort gehen wir verloren, entfernen uns täglich von uns selbst.

Pushing Hands mit Sink and Relax

Taiji und vor allem Qigong verstehe ich als einen Weg, sich zu finden. Es geht meines Erachtens beim Üben viel weniger um Gesundheit, oder der Gelenkigkeit oder was auch immer für ein Ziel, sondern darum, einmal innezuhalten am Tag. Erst einmal zuzulassen, daß wir ab und zu innehalten, zur Be-sinn-ung kommen und das auch dürfen. Darum, uns deutlicher wahrzunehmen, und zu erkennen, auf welchem Weg wir uns befinden. Und dies ganz deutlich und körperlich zu empfinden.

Wir sind meist übervoll mit Vorstellungen. Wir werden täglich tausendfach mit Botschaften überhäuft, sind befangen in unserer Lebensperspektive und den Ansichten über Gesundheit und Bewegung. Und so haben wir uns verloren. Nicht nur die Vorstellungen verengen sich, auch unsere sinnliche Wahrnehmung wird mit dem Altern sehr viel eingeschränkter. Sind die Rückenschmerzen nicht oft die Folge ausgeblendeter Einseitigkeit der Bewegungsmuster? Und auf einmal wissen wir nicht mehr, wie die Balance halten, wie sich verwurzeln und gelassen ruhen.

Ich bin schon sehr dafür, es beim Üben des Taiji und Qi Gong genau zu nehmen. Zunächst und immer wieder sollte aber ein Freiraum geschaffen werden, um innerlich schauen zu können. Erkennen was ist. Nicht wieder etwas Neues forcieren, sondern erkennen, wie das eigene Befinden jetzt ist. Es in der Bewegung wahrnehmen lernen, erkennen, wo Spannungen vorherrschen und der Energiefluß stagniert. Also erstmal nichts erreichen wollen, sondern Raum für Erkenntnis schaffen. Und es wird dann ganz praktisch: Wenn ich meine Schultern entspannen kann, bemerke ich Stress früher undd kann mich bewußter entscheiden, wie ich der Situation begegnen möchte.

Stress läßt sich nicht vermeiden. Ob er mich gefangen hält schon.

Meine Ausrichtung beim Taiji und Qi Gong geht also eher in Richtung Wahrnehmung. Der Weg zur Kampfkunst und Gesundheit ergibt sich dann ganz automatisch - wenn auch nicht einfach so.

Atem Meditation und Qigong